Seit der 13. Klimakonferenz (COP 13) in Bali 2007 taucht ein neuer Term namens “REDD” vermehrt in den Medien und Klimaschutzdiskussionen auf.
REDD steht für “reduced emissions from deforestation and forest degradation”, die Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Degradierung von Wäldern. Da die Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung 15 Prozent der vom Menschen produzierten Treibhausgase betragen, muss der Schutz von Wäldern in die internationalen Klimaverhandlungen einbezogen werden. Zudem belegte der Stern Report (2006), dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung ein äußerst kostengünstiger Weg sein kann, zum Klimaschutz beizutragen.
Continue reading ‘REDD und die Hoffnungen betroffener Dayak-Gemeinschaften’
Archive for the 'Ökologie' Category
Schon seit langem versuchen zahlreiche Akteure, das grosse aber noch weitgehend ungenutzte touristische Potential von Kapuas Hulu zu erschliessen. Auch ich werde manchmal (z.B. ueber Couchsurfing) oder von Bekannten zu Reiseinformationen und Tips fuer Kapuas Hulu gefragt. Nun hat auch noch die Distriktregierung in ihrem neuen Entwicklungsplan (RTRWK) “Oekotourismus”, zumindest formell, als Leitstrategie fuer die Entwicklung des Distriktes in den kommenden 20 Jahren bestimmt. Gruende, die touristsiche Situation von Kapuas Hulu in den folgenden 3 Blogeintraegen naeher unter die Lupe zu nehmen.
Die stets hilfsbereiten und freundlichen, neugierigen aber nie aufdringlichen Menschen in den Doerfern machen das Reisen in Kapuas Hulu zum Vergnuegen.
Continue reading ‘Tourismus in Kapuas Hulu’
Putussibau liegt in den inneren Tropen und erhaelt durchschnittlich 5.000 mm Niederschlag pro Jahr. Das meiste davon faellt in der Regenzeit zwischen Oktober und April. Allerdings gibt es auch in den trockneren Monaten bzw. in der Trockenzeit, ab und zu heftige Regenguesse. Die Trockenzeit 2009 war ausgesprochen ausgepraegt. Wochenlang gab es kaum Regen, der maechtige Kapuas, der laengste Fluss Indonesiens, waren zu einem seichten Gewaesser verkommen und sogar die Seen des Danau Sentarum Nationalparks waren fast komplett ausgetrocknet und boten einen skurrilen Anblick. In der Regel sind solche ausgepraegten Trockenzeiten durch das El-Niño-Phenomaen (ENSO) verursacht.
Regenguss in meinem Garten in Putussibau.
Das Flussbett des wasserarmen Kapuas in Sintang.
Danau Luar (Nationalpark Danau Sentarum) im April 2010.
Danau Luar (Nationalpark Danau Sentarum) im September 2009. Foto: Thilde
Skurile Waelder im Danau Sentarum. Bei normalem Wasserstand schauen nur die Kronen ueber die Seeoberflaeche. Foto: Thilde
Trockener Seeboden im Danau Luar (Nationalpark Danau Sentarum). Bei hohem Wasserstand ragen nur die Baumkronen aus dem See. Foto: Thilde
Die besonders trockene Zeit zwischen Mitte Juli und Ende August haben hier manche auch als “Zeit der roten Sonne” bezeichnet. Nicht ganz unpassend, da zum Ende der Trockenzeit ueberall auf Kalimantan die gerodeten Felder abgebrannt werden (Brandrodungsfeldbau) um den Boden mit den Naehrstoffen der abgebrannten Vegetation fuer eine Saison fruchtbar zu machen. Auch fuer das Anlegen von Plantagen wird, trotz offiziellen Verbots und zero-burn-policy, mancherorts von den Konzernen noch Feuer zum “Entsorgen” der urspuenglichen Vegetation eingesetzt. Da der Sommer 2009 besonders trocken war, brannten die Flaechen incl. der Torfboeden besonders gut. Selbst im Nationalpark Danau Sentarum brannte es heftig. Leider konnte die Waldfeuerwehr hier, wenn sie denn mal Extra-Geld fuer Treibstoff bekommen hat, meist nur zusehen und dokumentieren. Ihr Loesch-Equipment konnte nicht ueber die ausgetrockneten Seen zu den Brandherden gebracht werden. Und so schwaengerten Rauchschwaden und Aschepartikel von den gerodeten Waeldern fuer Plantagen und Wanderfeldbau-Flaechen wochenlang die Luft, faerbten die Sonne roetlich und der erlosende Regen, der die Partikel auswaschen wuerde, hatte sich bis September Zeit gelassen.
Die Stadt Pontianak in dichtem Haze und mit roter Sonne. Foto: O. Zieschang
Brandrodungsfeldbau – Die Ladangflaeche wird fuer die Aussaat von Trockenreis abgebrannt.
Grosse Plantagen werden in West Kalimantan fuer Oelpalmen angelegt.
Wird leider noch viel zu haeufig praktiziert – Abbrennen der Flaechen vor der Kultivierung.
Diese Jahr allerdings scheint die Trockenzeit komplett auszufallen. Es gibt kaum Tage an denen es nicht regnet und die Leute in den Doerfern fragen sich schon, ob sie denn dieses Jahr ueberhaupt Reis aussaehen koennen. Immerhin muessen sie vorher ihre gerodeten Felder (Brandrodungsfeldbau) abbrennen, welche bei haeufigem Regen natuerlich nicht abtrocknen koennen.
Vielleicht ist dies ein Zeichen des Klimawandels, vielleicht ein starkes-La-Niña-Ereignis, vielleicht auch einfach nur eine aussergewoehnlich regenreiche Trockenzeit. So richtig weis das hier niemand. In den Doerfern, wo ich gerade Kartierungen unterstuetze, erzaehlen die Leute von einem schwangeren Krokodil, das Hunger auf Menschenfleisch hat. Deswegen macht das Krokodil dass es mehr regnet so dass die Fluesse anschwellen und vielleicht jemand in die Fluten faellt und zur leichten Beute wird. Haeufiger hoert man auch die Theorie, dass der viele Regen die Strafe fuer eine ganz schlechte Tat ist (wie z.B. das ein Mann mit seiner Tochter geschlafen hat). Wie dem auch sei, Fakt ist, dass es diesen Sommer staendig regnet.
Hochwasser bei Sadap – Teilnehmer des Survei-Teams Sadap auf dem Weg zum Kartierungstraining.
