Vor gut einer Woche war es nun wieder soweit – Selamat Datang di Indonesia – Willkommen in Indonesien. Nach fünf Wochen Vorbereitung in der V-EZ (Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit) in Bad Honnef und einer guten Woche „Ausreiseurlaub“ in Sachsen, bin ich am 4. März nach 15 Stunden Flug auf dem Soekarno Hatta Airport in Jakarta gelandet.
Jakarta ist die Hauptstadt Indonesiens und bildet zusammen mit den Städten Bogor, Tangerang und Bekasi die Agglomeration Jabotabek – mit 20 Millionen Einwohnern die mit Abstand Größte in Indonesien und eine der Größten der Welt. Jakarta ist keine Stadt, wo man länger als notwendig bleiben möchte. Häufige Überschwemmungen biblischen Ausmaßes, Verkehrschaos mit kilometerlangen Staus, Luftverschmutzung, Lärm, das Fehlen von Grünflächen, Kriminalität und Slums sind negative Kennzeichen dieser Megastadt. Gleichzeitig ist Jakarta aber auch mega-interessant. Jakarta ist ein Schmelztiegel aus Kulturen des gesamten Archipels. Menschen aus allen Teilen Indonesien kommen hierher, auf der Suche nach Arbeit, einer besseren Ausbildung und einem besseren Leben und bringen dabei ihr Repertoire and Essen, Musik, Kultur und Lebensweisen mit.
Ich habe bisher kaum eine so dynamische Stadt erlebt wie Jakarta. Überall wird gebaut. Wo sich heute noch ein Kampung mit einem traditionellen Markt befindet kann morgen schon ein großes Shopping-Centre, mit mehreren 30- bis 40-geschossigen Appartementblocks auf dem Dach, stehen. Fabriken, wo zu Niedrigstlöhnen produziert wird, werden gebaut, Straßen werden erweitert und Felder am Rand der Stadt durch den hohen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum, in Wohnsiedlungen transformiert. Man kann den Eindruck gewinnen, dass jede Woche ein neuer Wolkenkratzer fertig gestellt wird und die Stadt immer weiter in ihr Umland quillt.
Ein weiteres Kennzeichen dieser Stadt ist das krasse Nebeneinander von Arm und Reich. Luxus-Appartement-Hochhäuser stehen neben Kampungs (traditionelle i.d.R. eingeschossige Wohnsiedlungen) welche oftmals über keine Basisinfrastruktur wie Trinkwasseranschluss und adäquate Sanitärversorgung verfügen. Bettelnde Kinder (welche nicht selten von ihren Eltern zum Betteln geschickt werden) oder Frauen mit Kleinkindern im Arm klopfen an Ampelkreuzungen an die Fensterscheiben von Luxuslimousinen und Taxis und in den stylischen Bars geben die, die es sich leisten können für zwei Cocktails soviel aus, wie ihre Pembantu (Hausangestellte) in einer Woche verdient.
Wer das nötige Kleingeld hat und urbanes Leben mag, kann in Jakarta verhältnismäßig gut leben. Gute Kinos, moderne Bars und Diskotheken jeglicher Art, Malls welche in ihren Dimensionen und Stil ihre europäischen Pendants um Weiten schlagen und wo man praktisch alles kaufen kann gibt es hier genug. Durch die sehr niedrigen Löhne (für Ungelernte i.d.R. deutlich unter 100 Euro pro Monat) ist es normal das viele, auch Haushalte aus der Mittelklasse, sich viele lästige Arbeiten (Putzen, Waschen, Kochen, …) von Angestellten abnehmen lassen. Nur dem Stau und der Luftverschmutzung kann man auch mit viel Geld kaum entfliehen. So brauchen oft beide, Chef als auch Fahrer oder Sekretärin bei vergleichbaren Entfernungen täglich 1,5 Stunden und mehr für den Weg zur Arbeit. Die Stadt hat auch schon einige Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu verbessern, wie die Einführung des Transjakarta-Bussystems. Ähnlich wie die Systeme in Curitiba und Bogota hat man eine Fahrspur in ausgewählten Trassen nur für die Transjakarta-Busse reserviert, die somit am Stau vorbeifahren können – eine Art Straßenbahn mit Bussen. Eine andere Maßnahme ist, das auf besonders staugeplagten Strecken zur rush-hour nur Autos fahren dürfen, wenn mind. 2 Personen im Auto sitzen – um z.B. Fahrgemeinschaften zu fördern. Allerdings gibt es mittlerweile viele Arme, an den Zufahrtsstrassen stehen und für ein paar tausend Rupiah als „Beifahrer“ mitfahren und am Ende der besagten Strasse wieder aussteigen und sich erneut als Mitfahrer anbieten.
Eine Möglichkeit dem Verkehrschaos teilweise zu entkommen, ist in eines der vielen neuen Appartementhochhäuser zu ziehen. Diese sind oft auf dem Dach riesiger Malls gebaut. Während meiner Zeit in Jakarta hatte ich in solch einem Appartement gewohnt, welches sich nur 5 Minuten zu Fuß vom Büro des DED entfernt befindet. Im zehnten Stock befand sich ein sehr großer Swimming Pool, eine Poolbar und daneben eine „Reihenhaussiedlung“ – alles im zehnten Stock wohlgemerkt!

Eine schöne Stadt mit einer Menge Problemen.