Da Putussibau, mein zukünftiger Wohn- und Arbeitsort, nicht direkt von Jakarta aus angeflogen wird, bin ich erst einmal nach Pontianak geflogen. Pontianak ist die Provinzhauptstadt von West Kalimantan und mit über 500.000 Einwohnern eine der größten Städte ganz Kalimantans. Kalimantan ist der Name für den indonesischen Teil der Insel Borneo. Die Bevölkerung Pontianaks ist eine interessanter ethnischer Mix aus Malayen, chinesisch abstämmigen Indonesiern, Dayak, Iban und anderen. Besonders auffällig ist deren, im Vergleich zu anderen Teilen des Archipels, zurückhaltende Art. So hat es einen halben Tag gedauert, bis man mit Hello Mister angesprochen wurde und als Bule (weißer Ausländer) wird man hier eher interessiert beobachtet anstatt dass man sofort angesprochen wird und die typischen Fragen nach Name, Herkunft und Familien-/Beziehungsstatus über sich ergehen lassen muss. Bei anderen Aspekten gibt aber auch sehr viele parallelen zu anderen Teilen Indonesiens. So konnte ich mich heute abend beim Konzert von Proyek Pop davon selbst überzeugen, dass man auch in Pontianak den Mopethelm oftmals aufbehält, auch wenn man nicht vorhat, in den nächsten Stunden aufs Mopet zu steigen. Mitten in der feiernden Menschenmenge gab es viele Fans, welche mit aufgesetztem Helm das Konzert miterlebt und dort mitgefeiert haben. Es ist mir zwar ein Rätsel wie man so die Musik und die Stimmung genießen kann, aber es waren nicht wenige die sich für Konzert mit Kopfschutz entschieden. Oder war der Konzertbesuch vielleicht nur Gruppenzwang und der Helm sollte die Musik dämpfen, oder ist es vielleicht einfach nur keren – cool? Ich werde diesem Phänomen noch auf den Grund gehen müssen.
Eine Besonderheit Pontianaks ist ihre Lage direkt am Äquator. Als Geograph habe ich mir die Chance natürlich nicht entgehen lassen, im Äquator-Monument einmal gleichzeitig in beiden Hemisphären, der Nördlichen und der Südlichen, zu stehen. Gleichzeitig konnte ich mich auf der nicht so stark befahrenen Strasse mit meinem doch sehr breitem 4WD-Ford Explorer-Dienstfahrzeug, dem Linksverkehr und den indonesischen (inoffiziellen) Verkehrsregeln (nie plötzlich die Spur wechseln, immer mit verrückten Mopetfahrern rechnen, nach Vorn fahren, keinen Schulterblick machen, das größere Fahrzeug hat Recht, u.s.w.) vertraut machen. Am Mittwoch muss ich damit die 800 Kilometer nach Putussibau schaffen.
In Pontianak arbeitet auch ein DED-Kollege. Markus, auch ein Geograph, arbeitet in der gleichen Entwicklungsmaßnahme wie ich. Er allerdings auf Provinzebene bei der Provinzforstverwaltung West Kalimantan während ich eine Ebene tiefer, bei der Distriktforstverwaltung von Kapuas Hulu arbeiten werde. Allerdings ist eine enge Zusammenarbeit vorgesehen. Deshalb, und auch da viele Dinge nur in Pontianak zu bekommen sind, werde ich wohl des Öfteren in dieser Stadt sein.
